Was ist EN 13813?
Die EN 13813 "Estrichmörtel und Estrichmassen - Estrichmörtel - Eigenschaften und Anforderungen" ist die harmonisierte europäische Norm, die seit 2003 die Anforderungen an Estriche regelt. Sie ersetzt nationale Normen und schafft einheitliche Standards für den europäischen Binnenmarkt.
Wichtig für Estrichwerke
Rechtsgrundlage
Bauproduktverordnung (EU) Nr. 305/2011 macht EN 13813 zur Pflicht für CE-Kennzeichnung
Gültigkeit
Aktuelle Fassung: EN 13813:2002, letzte Änderung 2017. Gilt in allen EU-Mitgliedstaaten
Geltungsbereich der EN 13813
Die Norm gilt für alle Estrichmörtel und Estrichmassen zur Verwendung in Gebäuden:
Nicht in EN 13813 enthalten
Wesentliche Anforderungen nach EN 13813
Mechanische und physikalische Eigenschaften
Druckfestigkeit (C-Klassen)
| Klasse | Mindestfestigkeit | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| C5 | ≥ 5 N/mm² | Leichte Belastung |
| C12 | ≥ 12 N/mm² | Wohnbereich |
| C20 | ≥ 20 N/mm² | Normal belastet |
| C30 | ≥ 30 N/mm² | Gewerblich |
| C40 | ≥ 40 N/mm² | Industrie |
| C50 | ≥ 50 N/mm² | Schwerlast |
| C60 | ≥ 60 N/mm² | Schwerlast+ |
| C70 | ≥ 70 N/mm² | Extrem |
| C80 | ≥ 80 N/mm² | Speziell |
Biegezugfestigkeit (F-Klassen)
Die EN 13813 Normbezeichnung verstehen
Die Bezeichnung nach EN 13813 folgt einem standardisierten Schema:
Bindemittel-Codes
Prüfverfahren nach EN 13813
Erstprüfung (ITT - Initial Type Testing)
Die Erstprüfung muss vor dem ersten Inverkehrbringen durchgeführt werden:
- Prüfung aller deklarierten Eigenschaften durch akkreditiertes Labor
- Dokumentation der Rezeptur und Herstellverfahren
- Grundlage für die Leistungserklärung (DoP)
Werkseigene Produktionskontrolle (FPC)
Kontinuierliche Überwachung der Produktion:
Häufigkeit der Prüfungen
- • Rohstoffe: Bei jeder Lieferung
- • Druckfestigkeit: 1x pro Woche
- • Biegezugfestigkeit: 1x pro Monat
- • Konsistenz: Täglich
Dokumentation
- • Prüfprotokolle aufbewahren
- • Abweichungen dokumentieren
- • Korrekturmaßnahmen
- • Mindestens 5 Jahre archivieren
Konformitätsbewertung & CE-Kennzeichnung
System 4 - Eigenverantwortung des Herstellers
Schritte zur CE-Kennzeichnung:
Erstprüfung (ITT) durchführen
Alle relevanten Eigenschaften durch akkreditiertes Labor prüfen lassen
FPC-System etablieren
Werkseigene Produktionskontrolle einrichten und dokumentieren
Leistungserklärung (DoP) erstellen
Deklaration der Leistungsmerkmale basierend auf ITT-Ergebnissen
CE-Kennzeichnung anbringen
Auf Produkt, Verpackung oder Lieferschein
Technische Dokumentation
10 Jahre aufbewahren und Behörden zugänglich machen
Praktische Umsetzung im Estrichwerk
Best Practices
Häufige Fehler vermeiden
Checkliste für die tägliche Praxis
Häufig gestellte Fragen zu EN 13813
Muss jede Estrichlieferung einzeln geprüft werden?
Nein. Die EN 13813 schreibt Prüffrequenzen vor: Druckfestigkeit wöchentlich, Biegezugfestigkeit monatlich. Die Prüfungen gelten für die Produktion des jeweiligen Zeitraums.
Gilt EN 13813 auch für Sonderestriche?
Die Grundanforderungen gelten für alle Estriche. Sonderestriche mit zusätzlichen Eigenschaften (z.B. schnelle Trocknung, erhöhte Wärmeleitfähigkeit) müssen diese zusätzlich deklarieren und prüfen.
Was passiert bei Nichtkonformität?
Bei Abweichungen von den deklarierten Werten müssen sofort Korrekturmaßnahmen ergriffen werden. Die betroffenen Chargen dürfen nicht mit CE-Kennzeichnung in Verkehr gebracht werden. Wiederholte Verstöße können zu Bußgeldern und Vertriebsverboten führen.
Wie oft muss die ITT wiederholt werden?
Die ITT muss nur bei wesentlichen Änderungen wiederholt werden: neue Rezeptur, andere Rohstoffe, verändertes Herstellverfahren. Bei gleichbleibender Produktion gilt die ursprüngliche ITT unbegrenzt.